Sarah Sonja Lerch

Im Rahmen der Revolutionswerkstatt fand am am 19. Januar 2017 in der Sendlinger Kulturschmiede die  Veranstaltung „Sarah Sonja Lerch und die Januarstreiks 1918“ statt.

Bevor sie den König davon jagten, traten sie in den Streik: rund 8.000 Arbeiter der Rüstungsindustrie und Arbeiterinnen der Munitionswerke hatten Ende Januar 1918 die Nase voll vom Gemetzel an der Front, vom „Burgfrieden“ der SPD, von weiteren Kriegsanleihen, von leeren Versprechungen. Sie streikten für Frieden und Demokratie. Aber dafür mussten sie zunächst teuer bezahlen.

Günther Gerstenberg (Archiv der Münchner Arbeiterbewegung e.V.) berichtete von den Streiks, die der Räterepublik voran gingen. Die Autorin und Dramaturgistin Cornelia Naumann lenkte das Augenmerk auf die „russische Steppenfurie“ Sarah Sonja Lerch, die an der Seite Kurt Eisners kämpfte und sich in Stadelheim das Leben nahm. Zusammen recherchieren beide derzeit an einer neuen Veröffentlichung zum Thema.

Cornelia Naumann skizzierte die dünne Quellenlage zur Biographie von Sarah Sonja Lerch. Das Foto stellt das unvollständige Beziehungsgeflecht dar, das dem aktuellen Stand der Forschung entspricht.

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Sarah Sonja Lerch engagierte sich im Kreis um Kurt Eisner, der den Januarstreik 1918 in München unterstützte. Die Behörden schrieben, Frau Lerch sei nach Eisner die gefährlichste der Münchner USPD. Am Morgen des 1. Februar 1918 wurde sie verhaftet, am 29. März starb sie im Gefängnis Stadelheim.

Cornelia Naumann und Günther Gerstenberg sind seit mehreren Jahren auf den Spuren dieser von der Geschichte vergessenen Frau. Einige Forschungsergebnisse finden sich in dem Buch, das im Frühjahr 2017 im Verlag Edition AV, Lich erscheint:

Steckbriefe – Gegen Eisner, Kurt u.
Genossen wegen Landesverrats –
Ein Lesebuch über Münchner
Revolutionärinnen und Revolutionäre
im Januar 1918

editionav_steckbriefeAus dem Ankündigungstext:
Sie wollten den Frieden und wurden von allen im Stich gelassen: von Gewerkschaften, Parteien und von Politikern. Im Januar 1918 traten in München ca. 8.000 Menschen der Munitions- und Waffenindustrie in den Streik. Allen voran: Kurt Eisner und Sarah Sonja Lerch. Durch Generalstreik wollten sie Frieden, aber sie wurden bespitzelt, eingeschüchtert, Monate lang in Untersuchungshaft genommen, an die Front geschickt. Knapp 20 dieser bisher unbekannten Frauen und Männern setzen Cornelia Naumann und Günther Gerstenberg mit ihrem Lesebuch ein Denkmal. Sie veröffentlichen zum ersten Mal die Verhaftungs- und Verhörprotokolle dieser mutigen Menschen und ihre erschütternden Biografien, zum Teil mit Fotos und Originalen der Signalements, versehen mit einem einleitenden Vorwort und einem Glossar.