Josef Simon

Immer hatten wir auf
unsere Fahne geschrieben:
Sozialismus

Josef Simon an seinem Todestag am 1. April 1949

Zum Erstaunen der Münchner, gab es Revolutionäre auch außerhalb der Stadtgrenzen der Landeshauptstadt, und sogar solche die weder Bücher noch Gedichte geschrieben haben.

Einer davon ist der Gewerkschafter Josef Simon. Geboren 1865 als Sohn eines Schäfers in Schneppenbach im Kahlgrund. Nach der damals obligatorischen Schulzeit von 7 Jahre, begann er 13jährig eine Lehre als Schuster, arbeitete dann in der Landwirtschaft und wegen dem Verdienst zog er nach Offenbach. Dort wurde er Schuhmacher und trat 1865 in die Gewerkschaft ein, wurde dort schon mit 20 Jahren Streikleiter des ersten Schuhmacherstreiks. Was folgte war das Arbeiterschicksal in der unseligen Zeit der Sozialistenverfolgung. Ausweisung aus dem Bezirk, Entlassung, Arbeitslosigkeit und Umzug.
Zwischen den reichlichen Schicksalssorgen sorgte er noch für seine betagten Eltern und heiratete seine Kollegin Elise, die bei dem selben Kapitalisten buckelte wie er.

Einigermaßen zur Ruhe kamen er und sein Familie erst 1900, als er als Vorsitzender des Schuhmacherverbandes gewählt wurde und nach Nürnberg zog. Aber was heißt bei einer Sozi Familie schon Ruhe. Er baute die Organisation aus, gründete den Konsumverein und zog schließlich für die Nürnberger Sozis in den Bayerischen Landtag und für die Hofer Sozis in den preußischen Reichstag ein.
Mit den Kriegskrediten hatte er von Anfang an keinen Vertrag. Bei der Abstimmung 1914, verließ er um sowohl für die Fraktionsdisziplin als auch für seine Überzeugung keinen Salto schlagen zu müssen, während der Abstimmung den Saal. Folgerichtig führte daher sein Weg, als im September 1917 sein Wahlkreis Hof geschlossen in die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei) wechselte, ebenfalls in die USPD.
Berühmt wurde seine Rede im Landtag für Hedwig Kämpfer, die von der bayerischen Regierung ausgewiesen und auf eine Irrfahrt durchs Reich geschickt wurde.

„Hut ab vor der Überzeugungstreue der Frau, die trotz den schweren Verfolgungen nicht zu Kreuze kriecht, sondern ihr Bedauern darüber ausspricht, daß sie für die Partei und ihre Überzeugungen bisher nicht mehr hätte leisten können“.

Während der Revolutionszeit gehörte er als Landtagsabgeordneter dem provisorischen Nationalrat, und später auch dem Zentralrat der bayerischen Republik an. Zusammen mit Eisner setzte er sich für einen späteren Zeitpunkt für die Wahlen zur Nationalversammlung ein, da er die Zeit für zu kurz hielt um die vierjährige Lügenzeit der bürgerlichen Presse auszubügeln.  Er verteidigte Eisners Kriegsschuldpolitik und forderte die Durchführung der Sozialisierung. Im Gegensatz zu den Legalisten, hat er eine klare Ansicht zu den bürgerlichen Ansprüchen:

„Das Bürgertum hat stürmisch verlangt, ebenfalls Räte zu wählen, die mit uns hier zusammentagen sollen. Ich halte einen solchen Zustand für ganz unmöglich und undenkbar. Wenn Sie in der Geschichte der Revolution gelernt haben, dann wird auch der Herr Professor Quidde wissen, das immer und überall derjenige Teil des Volkes, der die Revolution durchführte, auch so lange die Macht in der Hand behielt, bis entweder seine Macht sich konsolidierte oder bis sie von einer anderen revolutionären Bewegung hinweggefegt wurde“.

Der Rätekongress berief ihn in die Regierung Segitz, und auch die aus den Nürnberger Verhandlungen hervorgegangene Regierung Hoffmann ernannte ihn zum Handelsminister. Als Leiter des Zentralwirtschaftsamtes der Räterepublik versuchte er die Sozialisierung von Bergbau und Industrie in Angriff zu nehmen. Zur Ausrufung der Räterepublik wurde er nach Nürnberg delegiert um dort für die Räterepublik zu werben.
Nachdem klar war das die Bamberger Regierung mit Gewalt gegen die Rätebewegung vorgehen würde, legte er aus Protest gegen die Politik der Sozialdemokraten sein Amt als Handelsminister nieder.
Seine Vermittlungsversuche zwischen München und Bamberg, wurden von Bamberg abgewiesen. Verhandlungen kämen nicht in Frage, die Regierung besteht auf einer bedingungslosen Kapitulation.

In den Jahren danach kämpfte Simon weiter für die Sozialisierung, den Fortbestand der USPD, für die Einheitsgewerkschaft und gegen die Faschisten. Trotz seines Alters von 68 Jahren machte er während des Faschismus noch Bekanntschaft mit Gefängnis und KZ.
Er überlebte den Faschismus und erlebte die Geburt der Einheitsgewerkschaft (ein Betrieb – eine Gewerkschaft). Er verstarb am Gründungstag der Gewerkschaft Leder am 01.04.1949.

Fazit

Der fränkische Sozialist war mit Herz und Seele Gewerkschafter, sein Einsatz für die Arbeiter legendär – aber er war keiner der mit der Waffe in der einen und der roten Fahne in der anderen auf der Barrikade stand. Aber hätten sich seine Forderungen wie die Sozialisierung des Bergbaus und der Fortbestand der USPD durchgesetzt, hätte die Weimarer Republik ein anderes Gesicht bekommen.

Weiterführende Literatur

Gärtner, Georg: Mit uns zieht die neue Zeit
Mirkes, Adolf: Josef Simon – Schuhmacher, Gewerkschafter, Sozialist mit Ecken und Kanten
Schwarz, Klaus-Dieter: Weltkrieg und Revolution in Nürnberg