Oberfranken

Die Revolution in Oberfranken begann bereits am 06.10.1917. Der komplette Kreisverband Hof trat zusammen mit dem Reichstagswahlkreis Hof – Münchberg – Naila – Rehau von der SPD zur USPD über. Was eigentlich keine Überraschung war, die fränkischen Arbeiter hatten bereits eine Generation Streiks und Kämpfe um Gleichberechtigung hinter sich, zu einer Zeit als in Altbaiern Industrie erst punktuell vorhanden war. Die SPD hatte hier die ältesten und stärksten Ortsverbände und die höchste Organisationsdichte in ganz Bayern gehabt.

Kennzeichnend für die Revolution in Oberfranken war, dass es keine dominante Großstadt gab, sondern sich die Revolution in den kleinen und mittleren Industrieorten wie Lichtenfels, Schney, Tettau und Selb abspielte. Die im November überall gewählten Arbeiterräte kämpften um Einfluss auf die Honoratioren aus Kirche und Kapital, um die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft zu verbessern. Auseinandersetzungen um Brennholz, Lebensmittel, Wohnraum, Arbeitslosenfürsorge und Arbeitsplätze wurden erbittert ausgetragen.

Selbst an einer seriösen Beamtenstadt wie Bayreuth, gingen diese Umwälzungen nicht spurlos vorbei. Nach dem „Speckputsch“ im Februar 1919 landeten 56 brave Bayreuther wegen Landfriedensbruchs vor Gericht und 37 wurden verurteilt.

Dass sich aber dann im April 1919 die gegenrevolutionäre Hoffman Regierung im oberfränkischen Bamberg verschanzen würde, ahnte im revolutionären Oberfranken zu der Zeit noch niemand.