Aktuelles

Besprechung einer Veranstaltung
in der Bayerischen Staatsbibliothek
am 15. November 2018

Parallel zur „Revolutionswerkstatt“, der Veranstaltungsreihe des Plenum-R, die sich von nun ab bis in den Mai hinein mit Novemberrevolution und Räterepubliken in ihren verschiedenen Facetten beschäftigen wird, finden in und um München zahlreiche weitere Veranstaltungen zu diesem Thema statt, so etwa bereits am 15.11. ein Vortrags- und (Podiums-)Diskussionsabend in der bayerischen Staatsbibliothek.

In deren „Fürstensaal“ hatte selbige nebst bavarikon (Kultur- und Kunstschätze Bayern) geladen, um anlässlich des hundertsten Jahrestags zu „Oktoberrevolution, Novemberrevolution, Weltrevolution? – Die Jahre 1917 bis 1919 in Russland und Bayern“ Referate und Debatten zu ermöglichen. Fürsten im Ankündigungstext und zweimal ‚offizielles Bayern‘ im (imaginären) Briefkopf, löste bei mir zunächst eher ungute Vorahnungen aus: Im Scheinwerferlicht eines solch großen internationalen Jubiläums, wie es an Bayern natürlich auf keinen Fall vorbeikommt, würde mal wieder ein Strauß farbig-belangloser Anekdoten, harmlos schillernder Gestalten, behangen mit krachledernem Brauchtum zum Mantra bayerischer Originalität und Innovation auf einen freien Platz in die blau-weiße Erfolgsgeschichte geschoben werden: Das Bayern von gestern, wieder das Bayern von heute und alles im gewohnten Gang?

Glücklicherweise hatte die tatsächliche Veranstaltung dann mit Vorstellungen im obigen Sinne, für die pars pro toto der jüngste Staatsakt (zu hundert Jahren Freistaat und zweihundert Jahren Verfassung) steht, dann doch eher wenig zu tun. Das bedeutet freilich nicht, dass es nicht auch viel Fragwürdiges an dem Abend in der Staatsbibliothek gegeben hätte: So wiederholten die Referenten mit Blick auf erste und zweite Räterepublik (bewusst oder unbewusst) jene grobe Verzerrungen, wie sie Ältere noch aus bayerischen Schulgeschichtsfilmen kennen („roter und weißer Terror wechseln sich ab“). Auch die Antworten auf die Frage, wie man es denn heute mit der Revolution in Bayern hält, fielen eher unbefriedigend aus, was vor allem damit zu tun hatte, wie sich die Diskutantinnen und Diskutanten den Räten mit Blick auf deren Aktualität von 1918/19 näherten: In ihrer Darstellung erschienen sie einzig als das Mittel der Wahl, das schöne und offenbar über (Fundamental-)Kritik erhabene Bayerland noch zu krönen – mit einem bißerl mehr an direkter Demokratie. Dass es sich bei den historischen Räten aber nicht um Reform-, sondern um revolutionäre Instanzen handelte, die grundsätzlich falsch laufende andere Instanzen (wie ein obrigkeitsstaatliches Militär, das jenseits deutscher Grenzen für Macht und Profit Unheil über seine Angehörigen und Andere gebracht hatte, oder ein Wirtschafts- und Fabrikregime, das Menschen 12 Stunden täglich für einen Hungerlohn schuften und/oder Todeswerkzeug hatte herstellen lassen) aufbrechen und ersetzen sollten, fand keine Erwähnung. Die Chance. sich auf die Brüche von damals einzulassen, gerade auch um das Auge für die heutigen Brüche zu schulen, wurde (an diesem 15.11.2018 jedenfalls) verschenkt – vielleicht auch weil der geschärfte Blick für die heutigen Bruchlinien die Feierfreude hätten trüben können: Handelskonflikte und Rüstungswettläufe zwischen in inneren Krisen befangenen ökonomischen Machtblöcken bei eskalierenden Kleinkriegen in und um Interessensphären, die Erinnerungen an die Zeit vor dem ersten Weltkrieg wachrufen – all das hätte die Frage nach der heutigen Rolle Bayerns in der Welt und nicht zuletzt vielleicht die, nach den weltweiten negativen Folgen des wahrlich exklusiven Erfolgs der bayerischen Wirtschaft auf den Plan gebracht und eher das Bedürfnis nach lautstarker Kritik an politischer Bewegung gegen die ‚bisherigen bayerischen Erfolge und heutigen Interessen‘ erwecken können, denn nach einer geselligen Feststunde im Fürstensaal.

Neben diesem – wie ich finde – großen blinden Fleck (der jedoch nicht bloß die hier besprochene Veranstaltung, sondern leider einen Gutteil der bisher in Sachen Oktober- und Novemberrevolution geleisteten Erinnerungsarbeit betrifft), war positiv zu bemerken, dass die an der Veranstaltung Beteiligten im Detail durchaus kritisch Position bezogen: So zeigte etwa der Eisner-Biograph und Staatsarchivar Dr. Bernhard Grau, der zusammen mit Prof. Dr. Marita Krauss sowie Dr. Sybille Krafft vom BR die Podiumsdiskussion bestritt, deutlich sein Unverständnis darüber, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim besagten Staatsakt Kurt Eisner mit keinem Wort erwähnt hatte. Weiterhin ließ Prof. em. Schlögel in seiner Festrede eine deutliche Abneigung gegen eine auf Jubiläen fixierte ‚Geschichtswissenschaft des Spektakels‘ ohne gegenwartskritischen Gehalt erkennen.

Daneben brachte der Besuch für mich, und sicher Andere auch, die Bekanntschaft mit noch unbekannten Recherchemittel mit sich und hielt auch eine Reihe neuer Erkenntnisse bereit. So stellte Florian Sepp zu Beginn ein neues bavarikon-Online-Museum zu Novemberrevolution und Räterepublik (https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000003602) vor, das eine überschaubare Anzahl an Exponaten sinnvoll kategorisiert zugänglich macht und als ein Highlight zwei der seltenen Filmdokumente aus der Rätezeit präsentiert. Weiterhin enthielt die Festrede Schlögels über die bayerische und die russische Revolution einige richtige und wichtige Sentenzen gegen eine Geschichtsschreibung im Sinne herrschender Ideologie, welche den dt. November und den russ. Oktober durch den später heraufziehenden Faschismus (nach dem Motto: „so etwas kommt raus, wenn man eine Weltordnung stört und Chaos anrichtet“) oder durch den Stalinismus („so etwas geschieht in der Konsequenz, wenn eine Revolution ihr Gehege verlässt und zu laut ‚Egalité‘ schreit“) zu delegitimieren versucht. Schlögel, Autor des Buches Das sowjetische Jahrhundert, hielt demgegenüber an der Offenheit der Geschichte fest und lieferte daher, nach einem Resümee auch zur russ. Revolution gefragt, nicht die von der Moderation vielleicht intendierte Verdammung des russischen Schreckbildes zur Verklärung des friedlicheren deutschen Beispiels innerhalb einer von der Gegenwart her gedachten bundesrepublikanisch-demokratischen Meisterzählung.

Generell argumentierte sein informierter und wohl gegliederter 45minütiger Vortrag für eine globalgeschichtliche Betrachtungsweise beider Revolutionen, die, wiewohl beide in enger Relation zu einander standen (die Akteure der russischen hatten bekanntermaßen Revolutionen wie die in Bayern als eine von vielen innerhalb einer revolutionären Welle ersehnt und alle Beteiligten in Bayern waren auf die eine oder andere Art, positiv-bezugnehmend oder negativ-abgestoßen, auf das russische Beispiel bzw. die russischen Zustände fixiert), beide auch unabhängig voneinander vor dem Hintergrund der vergleichbaren Umständen einer weltweiten Nachkriegszeit ausbrachen. Die besonderen bayerischen Dynamiken der revolutionären Vorgänge nach dem ersten Weltkrieg, erklärte Schlögel als Folgen des „Biotop-Charakters“ Münchens. München war damals eine Metropole auf dem flachen Land, wo auf Grund spezieller ökonomischer und politischer Umstände auf engstem Raum soziale Widersprüche und verschiedene gegenkulturelle Bestrebungen zusammenkamen und (im politisch weniger repressiven bayerischen Königreich) verhältnismäßig frei interagieren konnten. Zudem war die, von ruralen Gebieten umgebene Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch sehr isoliert, hatte dabei aber ein recht konzentriertes Zentrum, wo sich die politischen Akteure fortwährend über den Weg liefen. Vor diesem Hintergrund bildete sie einen guten Nährboden für die ungehinderte Entwicklung revolutionärer Bestrebungen. Durch die Veränderung der Machtverhältnisse wie der personellen Gemengelage nach Niederschlagung der Räterepublik, wirkten sich letztere Faktoren leider vermehrt negativ aus – es entstand die berüchtigte „Ordnungszelle Bayern“. Diese dunkle Kehrseite unterschlug Schlögel korrekterweise nicht, sondern wies im Gegenteil auf einen – für mich neuen – Aspekt der „Russian Connection“ hin: Zwischen den berüchtigten deutschvölkischen Bünden und Grüppchen und einer buntscheckigen ,weißen‘ Emigrantenszene bestanden mannigfaltige Verbindungen.

Jonas Bokelmann

 

„Auf den Spuren der bairischen Revolution“ – Hundert Jahre danach

Video vom 7. November 2018 von Gerhard Hallermayer

Es lebe die bayrische Republik! Es lebe der Frieden! Es lebe die schaffende Arbeit aller Werktätigen! Kurt Eisner hat uns ein großes Erbe hinterlassen. Zum richtigen Zeitpunkt trat er für den Weltfrieden ein. Die ArbeiterInnen und Soldaten auf der Theresienwiese trugen entscheidend zur Absetzung des Königs und dem Ende der ersten Weltkrieges bei. Die Demonstration begab sich auf die Spuren der bairischen Revolution.

„Als die Habenichtse plötzlich wählen durften“

Anlässlich des 100. Jahrestags beleuchtete der Penzberger Günter Baumgartner am 12. November 2018 den Verlauf der Novemberrevolution im Oberland …

Weiterlesen auf www.sueddeutsche.de

Pressekonferenz am 28. August in der
Sendlinger Kulturschmiede, um die
Revolutions-Werkstatt 2018-19 vorzustellen

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Der Sprecherrat des Plenum R (v.l.n.r. Fritz Letsch, Cornelia Naumann, Reinhard Mosner und Eva Maria Volland) lud bei strahlendem Sonnenschein zur Pressekonferenz in die Sendlinger Kulturschmiede, um die Revolutions-Werkstatt 2018-19 vorzustellen.

Link zum Artikel in der Online-Ausgabe der Süddeutschen: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/sendling-dem-umbruch-auf-der-spur-1.4107675

 „Auf Antrag der Stadtratsgruppe DIE LINKE
soll die als Marienhof bekannte Grünfläche
hinter dem Rathaus „Kurt-Eisner-Platz“
benannt werden. Dem Antrag auf Benennung wird nicht entsprochen.“

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Das ganze Dokument …

Wir trauern um
Christoph Klinke.

ckFoto: Peter Brüning

Elegie für Sarah Sonja Lerch

Elegie für Sarah – eine berührende Feier auf dem Israelitischen Friedhof am 29. März 2018 anlässlich des 100. Todestages von Sarah Sonja Lerch, der Heldin des Romans DER ABEND KOMMT SO SCHNELL von Cornelia Naumann.

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Mehr Fotos auf  facebook.com

Schau her, das Egelhofer-Video ist fertig!

Der Kieler Matrosenaufstand am Kriegsende 1918 entstand aus der Idee, die teuer mit Sektsteuer (bis heute einkassiert) aufgerüsteten kaiserlichen Kriegsschiffe lieber “mit Mann und Maus” in einer letzten Schlacht untergehen zu lassen, als sie den Briten in die Hände zu geben … SPD-Noske ließ später alle Revolutionen niederschießen … https://de.wikipedia.org/wiki/Kieler_Matrosenaufstand

Aktion am 28. Januar 2018

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Am 28.01.2018 kam “Kurt Eisner” wie vor hundert Jahren zum (ehemaligen) Schwabinger Bräu und rief dort die MunitionsarbeiterInnen zum Streik für den Frieden auf!!!

„Menschen, die etwas gegen rechts unternehmen, sind uns nicht unsympathisch“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine Antifa-Veranstaltung in seinem Haus in München auf Betreiben seines Mitglieds, der Gewerkschaft der Polizei (GdP), abgesagt. Das teilte die GdP Nordrhein-Westfalen am 18. Oktober 2017 auf Twitter unter dem Hashtag #wirmischen­unsein mit. „Menschen, die etwas gegen rechts unternehmen, sind uns nicht unsympathisch“, sagt der Sprecher der GdP NRW Stephan Hegger der taz. „Bei der Antifa fehlt uns aber die Abgrenzung zu Gewalt.“
Weiterlesen bei der taz…

Antrag der Partei Die Linke.
den namenlosen Platz hinter dem Münchner Rathaus nach Kurt Eisner zu benennen

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Kunstaktion vor Gericht:
Kleiner Sieg für die Kunst

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Foto: Wolfram Kastner

Aus der Pressemitteilung von HP Berndl und
Wolfram P. Kastner:

„Am 7.3.17 gab es einen Strafprozess gegen unsere ver.di-Mitglieder Wolfram P. Kastner und HP Berndl. Es geht um das Kriegerdenkmal Dachauerstr. 128, 2015 in München.

Die beiden Künstler hatten dort eine ‘gemeinnützliche Sachverbesserung’ durch mehrere Kunstaktionen vorgenommen. Aus dem Kriegerdenkmal mit der Aufschrift SIE STARBEN FÜR DEUTSCHANDS RUHM UND EHRE entfernten sie diverse Buchstaben, um einen Anstoß gegen diese widerwärtige propagandistische Geschichtslüge zu geben. So stand dann dort für einige Zeit ‘SIE STARBEN FÜR DEUTSCHLANDS UN.EHRE’. Ebenso hatten Kastner und Berndl später eine Zusatztafel angebracht, mit den Worten: ‘Wir trauern um Alle, die im Weltkrieg 1914-18 grausam und sinnlos ihr Leben verloren. Die Toten mahnen uns, mit allen Kräften für Frieden zu sorgen und Kriege zu verhindern.’

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Foto: Peter Brüning

Die Staatsanwaltschaft sah darin den Tatbestand einer ‘gemeinschädlichen Sachbeschädigung’ und ‘Störung der Totenruhe’ und hatte jeweils Strafbefehle gegen Berndl und Kastner erlassen. Das Gericht folgte aber in der Hauptverhandlung dem Einspruch der beiden Aktionskünstler.

Amtsrichter Mayr wollte zwar unbedingt eine Straftat erkennen, sah aber den Unrechtsgehalt der ‘Tat’ als so gering an, dass er die beiden Künstler lediglich verwarnte. Mit diesem Urteil hat er dem Verfolgungseifer der Staatsanwaltschaft schon ein deutliches Fragezeichen aufgedrückt. Es hätte schlimmer kommen können.

Verwarnung auf ein Jahr Bewährung

Doch die Sache ist für Kastner und Berndl noch nicht erledigt. Wolfram P. Kastner: “Ich soll mich ein Jahr lang durch Untätigkeit angesichts solch eines kriegslüsternen, von der Bundeswehr bekränzten UnsinnsMals bewähren? Das geht nicht.”

Es handelt sich bei der richterlichen Entscheidung nämlich um eine Verwarnung auf ein Jahr Bewährung. Das bedeutet nicht nur eine persönliche Einschränkung, sondern eine Beschneidung der Aktionskunst im Allgemeinen. Wenn wir das durchgehen lassen, wird es auch für andere Künstlerinnen und Künstler schwer, das Grundrecht auf Freiheit der Kunst wahrzunehmen.

Insbesondere wenn es sich um politische Kunst in unserem gewerkschaftlichen Verständnis (hier: Friedenspolitik) handelt.“

Marienhof
wurde Kurt-Eisner-Platz

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Mit einem 35 Meter langen Plane wurde der Münchner Marienhof am 22. Februar 2017 zum Kurt-Eisner-Platz.

Anlässlich des Todestages des 1. Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern wurde mit einer Kunstaktion dieser zentrale Platz, der keinen offiziellen Namen hat, nach dem Revolutionär und  Begründer des Freistaats benannt.

Der Pazifist und Sozialist Kurt Eisner beendete am 7. November 1918 die Adels- und Militärdiktatur und sorgte für eine  demokratische Verfassung, den 8-Stunden-Tag, die Beendigung der klerikalen Schulaufsicht, das allgemeine freie Wahlrecht auch für Frauen u.v.a.m.

Er wurde von einem rechtsextremistischen Terroristen ermordet.

Die heutige Bayerische Staatspartei würde den Freistaat gerne für sich reklamieren und die Verdienste Eisners vergessen.

Gerade heute, wo Rechtsextremismus, Nationalismus und Antisemitismus mancherorts gepflegt werden, ist die Erinnerung und Stärkung demokratischer Grundwerte, wie Eisner sie vertrat, besonders wichtig.

Es ist höchste Zeit, einen zentralen Platz in München als Hauptstadt des Freistaats nach Kurt Eisner offiziell und dauerhaft zu benennen – spätestens am 7. November 2018 – 100 Jahre nach der Gründung des Freistaats.

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Gedenkveranstaltung am Bodendenkmal für Kurt Eisner in der Kardinal-Faulhaber-Straße neben dem Hotel Bayrischer Hof

   Text und Fotos: Das andere Bayern

NEUERSCHEINUNG!

GUSTAV LANDAUER,
AUSGEWÄHLTE SCHRIFTEN
Herausgegeben von Dr. Siegbert Wolf.
Illustrationen von Uwe Rausch.

Im März 2017 erscheint: „Gustav Landauer, Die Revolution. Textkritische Ausgabe des Erstdrucks.“ Herausgegeben und mit einer Einleitung, Zeittafel und einem Namensregister versehen von Siegbert Wolf. Mit Illustrationen von Uwe Rausch. Ausgewählte Schriften, Band 13, Verlag Edition AV: Lich/Hessen 2016.

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Call for Paper
für zwei Konferenzen
des KEV/RLS

Für die Ende Juni / Anfang Juli 2017 stattfindenden Konferenzen des Kurt Eisner Vereins für politische Bildung e.V. / Rosa Luxemburg Stiftung  besteht noch die Möglichkeit ein Konzept zu schicken und selbst als Referent*in an der Konferenz teilzunehmen. Konzepte von Nachwuchswissenschaftler*innen sind ausdrücklich erwünscht.

Konferenz, 30. Juni bis 1. Juli 2017, Würzburg:

Transatlantische Sozialist*innen und Anarchist*innen im 19. und 20. Jahrhundert – Zwischen neugewonnener Freiheit und erzwungener Integration

Konferenz, 10. bis 11. Juli 2017, Würzburg:

Die Russische Revolution und ihre Wahrnehmung in Bayern, Deutschland und der Welt

 

Anti-SiKo-Wochenende
Februar 2017

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Anti-SiKo-Demo 2010 am Münchner Marienplatz
Foto: Felicitas Hübner

Aus dem Selbstverständnis der
Münchner Demosanitäter*Innen

„Wir beobachten seit Jahren gewaltsame Auseinandersetzung auf Demonstrationen und Großveranstaltungen in München und Umgebung. Verletzte Demonstrant*innen sind dabei an der Tagesordnung. Ob nun durch Schlagstöcke, Tritte oder Pfefferspray – die Staatsgewalt in München lässt keine Gelegenheit aus ihr Gewaltmonopol zu demonstrieren.

Doch auch Übergriffe durch rechte Gewalttäter*innen sind in Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks längst keine Seltenheit mehr.

Wir als Demosanitäter*innen München sehen daher die Notwendigkeit einer medizinischen Erstversorgung auf Demonstrationen und Großveranstaltungen.

Unsere Gruppe besteht aus Individuen mit medizinisch-pflegerischem Hintergrund und hat sich zum Ziel gesetzt, eine bestmögliche Erstversorgung auf Demonstrationen und Veranstaltungen zu leisten.Jedoch müssen auch wir uns eingestehen,  dass unsere Kapazitäten nicht immer ausreichen bestimmte Verletzungen adäquat zu versorgen und raten daher in diesen Fällen eine weitere Behandlung durch öffentliche Notfallversorgung an, auch wenn uns daran gelegen ist, dies in den meisten Fällen zu vermeiden.

Als Münchner Demosanitäter*innen lehnen wir jegliche Art der Unterdrückung entschieden ab. Daher stellen wir uns gegen jede Form von Faschismus, Sexismus, Rassismus und  Autorität. Dementsprechend verstehen wir uns als Teil der Münchner Anti-Repressions-Struktur und bemühen uns um eine bestmögliche Vernetzung mit dem EA sowie anderen Demosanitätsgruppen.

Eine Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft sowie Aussagen über Geschehnisse auf Demonstrationen kommen für uns nicht in Frage. Wir garantieren absolute Anonymität.

Unsere Arbeit beruht auf solidarischer Selbsthilfe. Als Teil dieser haben wir den Anspruch uns selbst und andere in medizinischen Themen weiterzubilden und Grundkenntnisse der Ersten Hilfe zu Vermitteln.

Um eine lückenlose Versorgung leisten zu können, freuen wir uns über finanzielle, materielle sowie personelle Unterstützung.

Unser Ziel ist es alle Demoteilnehmer*Innen zu nterstützen, dass sie angstfrei demonstrieren können und sich im Zweifel auf eine medizinische Erstversorgung verlassen können.

Solidarische Grüße,
Demosanitäter*Innen München“

header_demosanisDie Webseite der Demosanitäter*innen Gruppe Süd-West

 

Nachlese zur Veranstaltung  „Freiheit & Demokratie –
Globale Themen im Kontext“
von acTVism Munich
am 15. Januar 2017 im
Münchner Muffatwerk

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acTVism Reportage: Edward Snowden Event (Videos & Bilder)
auf actvism.org

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Interview mit Jürgen Todenhöfer – Der erste westliche Journalist bei ISIS:

Edward Snowden im Interview mit acTVism München:

Die Veranstaltung in ganzer Länge: mit Edward Snowden, Jeremy Scahill, Jürgen Todenhöfer, Paul Jay, Richard Wolff & Srećko Horvat (4 Stunden 10 Minuten):

 Bildmaterial von www.actvism.org

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Die Fauistas
Das neue Proletariat und
die Gewerkschaftsriesen

Ein SWR2 Feature (Stand: 11.1.2017)

Die deutschen Gewerkschaften haben in den vergangenen zehn Jahren fast eine Million Mitglieder verloren, der Organisationsgrad in den Unternehmen sank um fast fünf Prozent. Die Fauistas kämpfen gerade da, wo die Gewerkschaftsriesen ihre Probleme haben, im Bereich prekärer Jobs, dort wo ein neues Proletariat entsteht.

An der Mall of Berlin etwa, direkt neben dem Potsdamer Platz, protestiert die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAU (Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union) gegen den vermeintlichen Lohnraub an rumänischen Bauarbeitern. Die schwarze Katze leuchtet auf einer roten Fahne, die vor Deutschlands wohl luxuriösester Shopping Mall flattert.

Die Anarchisten finanzieren die langwierigen Prozesse der Arbeiter. Ihre Methoden sind radikal und ungewöhnlich. Das Feature untersucht, ob diese Mini-Gewerkschaft eine Alternative zu den großen Arbeitnehmervertretungen sein kann.

Quelle: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/swr2-feature-die-fauistas/-/id=659934/did=18600134/nid=659934/1m4winj/index.html

 

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LIEBE FREUNDINNEN UND FREUNDE,

der NSU-Prozess wird in diesem Jahr zu Ende gehen. Den Betroffenen wurde eine lückenlose Aufklärung und eine Bestrafung der Täter_innen versprochen. Was bleibt davon? Auch mehrere Untersuchungsausschüsse biegen auf die Zielgerade ein. Zwar haben sie mittlerweile zahlreiche Details ans Licht befördert, viele Informationen aus dem Umfeld des rechtsterroristischen Netzwerks NSU soll die Öffentlichkeit aber nicht erfahren. Dafür sorgen geschredderte oder geschwärzte Akten, fehlende Zeugen, lügende V-Leute, die Ablehnung von Beweisanträgen und viele weitere Akte des Verschweigens, des Verleugnens, des Vertuschens. Konsequenzen bleiben aus.

NSU-KOMPLEX AUFLÖSEN

Genau das ist es, was wir NSU-Komplex nennen. In diesen Block möchten wir Kerben schlagen, sodass sich dieser Stück für Stück auflöst. Unsere Strategie dafür: die Anklage von Personen und Strukturen, konkrete Forderungen wie sich Institutionen ändern müssen und die Entwicklung einer Vision für eine bessere Gesellschaft.
Diesen Blick nach vorne werden wir brauchen, wenn wir im Superwahljahr 2017 einen erneuten Rechtsruck begegnen wollen. Es ist an der Zeit, dass die Perspektive der Migration eine Perspektive der gesamten Gesellschaft wird.

UNTERSTÜTZUNG BENÖTIGT

Mit dem Tribunal möchten wir einen Raum schaffen, in dem die Zeugnisse der Betroffenen rassistischer Gewalt zentral sind. Gemeinsam erarbeiten wir eine gesellschaftliche Anklage, einen Katalog an Forderungen sowie eine Vision für eine Gesellschaft der Vielen.

Wie das ablaufen soll, werden wir in den nächsten Wochen Schritt für Schritt darstellen. Derweil laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und wir benötigen viel Unterstützung. An welchen Stellen wir Hilfe gebrauchen können, werden wir hier im Newsletter und auf Facebook und Twitter mitteilen. Gerne könnt ihr aber mit Angeboten und Fragen auf uns zu kommen. Das erste, was ihr schon jetzt machen könnt, ist euch für den 17.-21. Mai 2017 frei zu nehmen und diesen Newsletter an 5 Freund_innen weiterzuleiten, sodass die Idee des Tribunals noch mehr Menschen kennenlernen.

Mit tribunalistischen Grüßen,
Redaktions-Team Tribunal ‘NSU-Komplex auflösen‘

www.nsu-tribunal.de

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Ehrung für Hans Beimler in Waldthurn am 1. Dezember 2016

Die Gemeinde Waldthurn in der Oberpfalz hat mit ihren knapp 2000 Einwohner*innen ein beeindruckendes Beispiel für einen souveränen Umgang mit der Geschichte gegeben. An seinem 80. Todestag wurde Hans Beimler von der Gemeindespitze mit einer Gedenktafel geehrt.

An der Zeremonie der Enthüllung der Tafel nahmen Landrat Andreas Meier (CSU), Heimatpfleger Georg Schmidbauer, die Landtagsabgeordnete Anette Karl (SPD), Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher (CSU), Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (SPD) sowie Waldthurns Erster Bürgermeister Josef Beimler (CSU), der mit Hans Beimler nicht verwandt ist, teil.
Quelle: hans-beimler-zentrum.de

Links

„Waldthurn: Gedenken an Widerstandskämpfer Hans Beimler“
Overpfalz TV am 2. Dezember 2016

„Im Sinne der Demokratie kein Held“
onetz am 3. Dezember 2016

„Waldthurn ehrt Spanienkämpfer Hans Beimler“
auf dkp-nuernberg.de am 5. Dezember 2016

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Lebendige Geschichte:
Die vergessenen Frauen
von Aichach

Rudolf Stumberger war am 7. Dezember 2016  zu Gast im Studio bei Radio LORA München. Beate Stölzel von der Redaktion Bildung hat mit ihm (auch) über sein neues Buch über die Münchener Räterepublik „München ohne Lederhosen“ gesprochen.

Hauptsächlich ging es in der Sendung um „die vergessenen Frauen von Aichach“, die wegen Bagatelldelikten verurteilt, im dritten Reich als  Berufsverbrecherinnen, Asoziale in KZs deportiert wurden. Viele von ihnen fanden dort den Tod – Tod durch Arbeit.

In der Lesung und in dem Studio-Gespräch mit Rudolf Stumberger wird nicht nur die Verknüpfung der Schicksale von Walburga Weber, eine dieser Frauen, und Heinrich Himmler dargestellt, sondern auch auf die immer wieder neue Interpretation von Geschichte aufmerksam gemacht, Das Frauenforum Aichach-Friedberg will in Aichach einen Erinnerungsort für diese ermordeten Frauen schaffen.

Hier kann die Sendung nachgehört werden:

 

Alle reden von Weihnachten.
Die Rote Hilfe kämpft
für die Geschenke.

xmas_melMit einem lustigen Bild von den roten Männern verabschiedet sich die Rote Hilfe in den Weihnachtsurlaub.

Quelle: rote-hilfe.de

 

 

 stumberger-buchRudolf Stumberger
„München
ohne Lederhosen“

Ein kritisch-alternativer Stadtführer
(Von November 1918 bis in die 1960er Jahre)
Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2016

 

Rezension aus der Bayrischen Staatszeitung vom 2. Dezember 2016:
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Kurt Eisner über das Christkind

Auf dem Wanderstammtisch »Bier & Revolution« am 10. Dezember 2009 sprach Prof. Dr. Klaus Weber über »Die Bedeutung des Kripperls für die Revolution« und las die Erzählung »Die Angst der Toten« von Kurt Eisner von 1915.

»Auch wenn Kurt Eisner selbst wenig religiös ist. Als Volksbildner und journalistischer Erzieher, als der er sich versteht, kann er nur dann Zugang zu den »Massen« bekommen, wenn er deren Sorgen und Nöte in seinen erzählerischen Interventionen einzubauen in der Lage ist, gleichzeitig die Sprache der Angesprochenen benutzt und das Material ihres Alltagslebens so bearbeitet, dass Empörung, Rebellion und Befreiung wie selbstverständliche Handlungsweisen in einer kriegerischen, ungerechten Klassengesellschaft erscheinen. Und weil das Weihnachtsfest eine Zeit ist, in der die Herzen und Köpfe der Menschen gerne bereit sind, zu vergeben und den Herrgott einen braven Mann sein zu lassen – wie man in Bayern sagt -, nutzt Eisner jedes Jahr die Gelegenheit, zu Weihnachten den Krieg anzuprangern. Ein Jahr vor den „Vier Königen“ entsteht so »Die Angst der Toten«, eine Erzählung, welche die Bescherung durchs Christkind in den Mittelpunkt stellt.« (aus dem Vortrag von Klaus Weber »Kurt Eisner – Revolutionär des Alltags«)

Kurt Eisner (1919). Gesammelte Schriften Bd.1. Berlin: Paul Cassirer Verlag

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Das Ausgrenzungsgesetz

Am Donnerstag, den 8. Dezember 2016 soll das bayerische Ausgrenzungsgesetz endgültig verabschiedet werden.

Das Schulverbot für Flüchtlingskinder in den „besonderen Einrichtungen“ soll formal aufgehoben, der gemeinsame Schulunterricht mit allen anderen Kindern aber unterbunden werden. Die Willkür des „Schwimmbadparagraph“ soll in Zukunft alle treffen. Und der Vertreter der Staatsregierung, Herr Dr. Gruber bestätigte, dass selbst ein Hamburger in Bayern zu einem „Grundkurs über die Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung“ verpflichtet werden kann…

Bis zum 8. Dezember 2016 müssen die Unterschriften für die Petition gegen das bayerische Integrationsgesetz abgegeben werden:

www.integrationsgesetz.bayern

Weiter informierende Links

Bild: Günther Gerstenberg

Bei der Kundgebung gegen das Ausgrenzungsgesetz waren am 22. Oktober 2016  etwa 2.500 Menschen beteiligt.

http://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/4780

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16. Oktober 2016:
Konstantin Wecker wird in Lübeck der Erich-Mühsam-Preis verliehen

Bericht auf unser-luebeck.de

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Wiederaufbau eines Gedenksteins für Gustav Landauer auf dem Münchner Waldfriedhof

Nachdem der Stadtrat der Stadt München unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Reiter den von der Denkmalinitiative “Wiederherstellung des Gustav Landauer-Denkmals auf dem Waldfriedhof in München” vorgelegten, entsprechenden Antrag (siehe Aufruf für den Wiederaufbau eines Gedenksteins für Gustav Landauer auf dem Münchner Waldfriedhof) mit Hilfe des Stadtrats Thomas Ranft im Jahr 2015 einstimmig angenommen hat, liegen jetzt genauere Informationen über den prämierten Landauer-Denkmalentwurf vor.

Einen konkreten Zeitplan zur Aufstellung des Landauer-Denkmals auf dem Münchner Waldfriedhof gibt es bisher nicht – 2019 ist der 100. Todestag Gustav Landauers. Der Steinmetz hat den Auftrag bekommen und kann damit den Stein bestellen. Gleichzeitig wird mit dem Stadtarchiv noch der Text für das Denkmal abgestimmt. Da das Preisgericht nicht öffentlich getagt hat, gibt es leider kein Foto vom Siegerentwurf.
Der Entwurf sieht eine Stele mit ca. 2,50m Höhe vor. Als Material wurde gebürsteter Lavabasalt gewählt. Das Material symbolisiert mit seinem Weg von Erdinnern zur Oberfläche die Beharrlichkeit, mit der Landauer für seine Ideen, sowie seine politischen und philosophischen Vorstellungen eingetreten ist. Der Stein wird grob in zwei Hälften in der Mitte gespalten, um dem Betrachter den gewaltsamen Tod Landauers plastisch vor Augen zu führen. Die beiden Stelenhälften werden mit einer blauen Glasplatte verbunden, die mit Glaspulver gestrahlt wurde. In diese Platte wird die vormalige Grabinschrift graviert. Die beschriftete Glasplatte wird mit einer Sicherheitsglasplatte verbunden.
Die Wegseite der Stelenseite wird mit wichtigen Lebensdaten versehen. Ein QR-Code wird in Form einer Glasplatte am Fuß des Denkmals angebracht. Der Stein wird gegen Vandalismus imprägniert. Die Schrifttype der Inschriften kreiert der Steinmetz selbst.
(Stand: Mai 2016)